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Ohne Milch kein Grünland – sondern Wald

Verschwindet die Nutztierhaltung im Grünland, kommt der Wald. Unter diesem Motto wurde im November am Heffterhof in Salzburg eine Grünlandtagung abgehalten. Der folgende Beitrag zeigt die wesentlichen Aspekte, die für eine funktionelle Grünlandbewirtschaftung von besonderer Bedeutung sind.
© Ing. Hans Egger
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In Österreich werden zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche als Grünland genutzt. In Kärnten hingegen gibt es ca. 78% Grünland (inkl. Wechselwiesen).
 
Die abgestufte Bewirtschaftung (standortgerechte Bewirtschaftung) hat eine große Bedeutung. Die Artenvielfalt bleibt erhalten und es werden leistungsgerechte Futtermittel konserviert. Das Mulchen hilft gegen die Verwaldung langfristig nicht. Es bildet sich mehr Rohhumus, somit kommt es unweigerlich zur Versauerung der Grünlandflächen. Unter anderem können nur Weidetiere die Landschaft freihalten.
 
Vor allem die Steilflächen über 50% Hangneigung können durch Ziegen und Schafe freigehalten werden und es bildet sich dadurch eine dichte Grasnarbe. Wird das Grünland nicht mehr genutzt (z. B. gemulchtes Grünland), steigt die Erosionsgefahr.

Nutzungsformen von Dauergrünland

Die Multifunktionalität der Grundlandbewirtschaftung steht im Vordergrund, d. h. wertvolle Nahrungsmittel werden produziert und zugleich ist das Grünland ein Rohstofflieferant. Die Agrobiodiversität soll unter anderem auch erhalten bzw. verbessert werden. Die vielfältigen Eigenschaften des Grünlandes können nur durch Nutzung aufrechterhalten bleiben. Kurzum kann gesagt werden, dass das Grünland nur durch Nutzung geschützt wird. Durch Extensivierungsmaßnahmen jedoch, bei denen jeder Betrieb freiwillig teilnehmen kann, ist mit Ertragseinbußen von bis 40% zu rechnen.
 
Entscheidend für die Futterqualität sind der Nutzungszeitpunkt und die Futterqualität. Allein durch die Kalkung kann ein Futtermehrertrag im Grünland von durchschnittlich 5,8 dt Trockenmasse pro ha und Jahr erreicht werden. Dies entspricht einem Heumehrertrag von 674 kg (EUR 110,-) pro ha und Jahr. Bei der Phosphordüngung im Grünland reicht es aus, 50% des Entzuges zu düngen und bei Kali wären es 70%. Der erwähnte Düngungsprozentsatz bei Kali reicht auch für die Tierernährung. Das Aufdüngen von unterversorgten Standorten mit geringem Nachlieferungsvermögen ist selbst nach zwölf  Versuchsjahren (Landesanstalt für Landwirtschaft in Thüringen) nicht möglich gewesen.
 
Um eine nachhaltige Nährstoffversorgung des Grünlandbestandes zu gewährleisten, sollten 0,3% P2O5/kg TM bzw. 2,0% K2O/kg TM vom Jahresertrag gedüngt werden. Bei einer optimalen Stickstoffdüngung sind 25 bis 35 kg P2O5/ha und Jahr erforderlich. Neben der Düngung erfordert Qualitätsfutter eine sehr frühe rechtzeitige Nutzung, d. h. die bestandesbildenden Gräser müssen sich noch in der vegetativen Phase befinden.
 
Zu bemerken sei noch, dass die mittleren und späteren Raygrassorten ertragreicher sind, allerdings ist dies statistisch nicht abgesichert. Wird außerdem der Schnittzeitpunkt versäumt, so ist nur bei Phosphor ein Mangel im Futter zu verzeichnen. Wird der erste Schnitt z. B. fünf Tage später geerntet, verschiebt sich automatisch der zweite Schnitt um 10 bis 14 Tage. Wird dies auf das Erntejahr hochgerechnet, so geht eine Nutzung verloren. Die Qualität der Folgeaufwüchse wird außerdem negativ beeinflusst. Eine Verzögerung des Erntetermines in Verbindung mit einer verminderten Stickstoffdüngung schließt eine leistungsgerechte Versorgung der Milchkuh aus. Bei der Mutterkuhhaltung werden nur mehr 55% des Fleischzuwachses erreicht.

Wirtschaftliche Aspekte

Die Bewirtschaftung des Hofes wird in erster Linie sichergestellt, wenn dadurch ein Geld erwirtschaftet wird, Freude an der Bewirtschaftung und Erhalt des Hofes durch Tradition sind weitere Beweggründe. Wichtigster Punkt ist jedoch der Erwerb an Geld, damit der Hof weitergeführt werden kann.
 
Das Hauptproduktionsverfahren in der Grünlandbewirtschaftung wird durch die Milchwirtschaft, Mutterkuhhaltung, Pensionspferdehaltung und Rindermast mit erfolgreicher Vermarktung sichergestellt. Das Einkommenspotenzial liegt bei den Haupterwerbsbetrieben in der Milcherzeugung, Pensionspferdehaltung und in der Rindermast mit erfolgreicher Direktvermarktung. Bei den Nebenerwerbsbetrieben wird das Einkommen durch die Mutterkuhhaltung mit Mast und durch die Futterproduktion gewährleistet. Für eine erfolgreiche Milchviehhaltung muss ein professioneller Produktionsbereich vorhanden sein und dies kann nur mit einer guten Grünlandbewirtschaftung erfolgen. Der biologische Landbau ist für den Grünlandbauer attraktiv.
 
Problematisch ist, dass in Zukunft die Milchproduktion in den Grünlandgebieten verschwindet. Grünlandbetriebe sind am stabilsten, wenn sie Milchkühe halten (siehe unten Download-Tabelle "Festkosten, Gewinn- und Eigenkapitalbildung am Beispiel verschiedener Betriebe"). Durch die Milchwirtschaft in den Grünlandgebieten wird ein sicheres Einkommen erzielt, somit muss die Milchwirtschaft auch in den Grünlandgebieten aufrecht bleiben.

Offenhaltung der Kulturlandschaft

Beim Projekt "Offenhaltung der Kulturlandschaft" der LFZ Raumberg-Gumpenstein wurden folgende Möglichkeiten zur Offenhaltung der Kulturlandschaft näher untersucht: Mulchen, stoffliche und energetische Verwertung, Beweidung mit Rindern (Kalbinnen-, Ochsen- und Stiermast) und Beweidung mit Schafen. Die Hangneigung wurde unterteilt in Stufen bis 35%, 35 bis 50% und über 50%. Das Mulchen verändert die Artenvielfalt, d. h. durch das Mulchen geht die Artenvielfalt zurück, daher sind für eine intakte Grünlandwirtschaft die verschiedensten Bewirtschaftungsmaßnahmen (Mähen, Beweiden usw.) von besonderer Bedeutung. Ohne ÖPUL sind über 35% aller Maßnahmen negativ. Ab einer Hangneigung von 35% ist die Mutterschafhaltung schon günstiger als die Mutterkuhhaltung.
 
Das Mulchen ist bei allen drei Hangneigungsstufen negativ. Mit den ÖPUL-Ausgleichszahlungen sind grundsätzlich alle Bewirtschaftungsmaßnahmen positiv. Allerdings wird ab 35% die Kalbinnenmast negativ. Ab 50% wird die Mutterkuhhaltung ebenfalls negativ. Die Schafhaltung wird vor allem bei einer Hangneigung ab 50% interessant.

Naturschutz – Tourismus

Pro Tag gehen 20 ha landwirtschaftliche Nutzflächen verloren, d. h. in einer Woche eine Eigenjagd. Der Landwirt und der Naturschutz müssen zusammenarbeiten.
 
Im Tourismusbereich liegen die Schwerpunkte im Familienurlaub, Wintersport und in der Genusskultur. Wichtig sind die Produkte aus der Region. Zwei Drittel der Bevölkerung werden in Zukunft in zentralen Bereich leben, d. h. in den Städten. In Kärnten findet bis 2013 die größte Abwanderung statt.
 
Somit wird es immer problematischer, die wertvollen kulturlandwirtschaftlichen Grünlandgebiete zu erhalten.

Die Referenten

Auf der Fachtagung referierten folgende Experten:
  • Dipl. -HLFL-Ing. Josef Galler (LK Salzburg),
  • Dr. Hans Hochberg (Landesanstalt für Landwirtschaft, Thüringen),
  • Dipl.-Ing. Ludwig Huber (AELF Traunstein),
  • Mag. Dr. Agnes Leihold (LFZ Raumberg-Gumpenstein)

Unterlagen als Download

Die Fachvorträge der Tagung können Sie nachfolgend als PDF-Download-Datei herunterladen.
Downloads zum Thema
  • Tabelle - Festkosten Gewinn und Eigenkapitalbildung.pdf
  • Galler - Ohne Milch kein Gruenland.pdf
  • Hinterstoisser - Naturschutz und Kulturlandschaft.pdf
  • Hochberg - Nutzungsformen Dauergruenland.pdf
  • Leithold - Kosten Offenhaltung.pdf
  • Ohne Milch kein Grünland 2011.pdf
  • Planungsvergleich Grünlandbetrieb Mail.pdf
22.12.2011
Autor:Ing. Hans Egger, LK Kärnten
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